• Alexandra Schüller

Ein Flirt fürs Leben

Auf nach Kampen. Zunächst vorbei an der Gemeinde Wenningstedt, wo entlang eines Holzstegs am Kliff gen Weststrand, Fischbrötchen und Bio Eis genossen werden. Man kann nicht oft genug erwähnen, dass Sylt kulinarisch zu extrem vielen Reisepausen einlädt! Das ist wohl auch den Künstlerinnen Christel und Laura Lechner aufgefallen. Ihre wohlgenährten "Alltagsmenschen" am Festbankett mit Blick auf die Wenningstedter Promenade, erheitern die Gemüter.



Noch etwas weiter nördlich muss man einmal den höchsten Punkt von Sylt bestiegen haben! Und das ist eben nicht die 14. Etage des Westerländer Plattenbaus, sondern die 109 Stufen einer Holztreppe hoch auf die Uwe Düne vor Kampen. Die höchste natürliche Erhebung der Insel Sylt, mit immerhin gut 52 Metern über dem Meer. Von der Plattform aus könnt Ihr auf Kampen runterschauen. Und Euch fragen, was diese so beschauliche Ansammlung reetbedeckter Häuschen, mit viel Grün drumherum, zum bekanntesten Dorf und Epizentrum der High Society Deutschlands machte. Ein ehemaliges bettelarmes Bauern- und Fischerdorf, das mit seinen Quadratmeterpreisen die Züricher Bahnhofstrasse ganz unaufgeregt in die Tasche steckt. Und im Gegensatz zu Westerland schon seit über 100 Jahren, mit der Bauvorgabe von Reetbedachung und Ziegelmauern, den Charme des Ursprungs bis heute konserviert.




Mit einem leisen Zischen kommt der Bus zum Stehen und eine tiefe, männliche Stimme erklingt aus den Lautsprechern: "Geschätzte Fahrgäste, wenn es beim Aussteigen unter Ihren Schuhen knistert, ist das nicht das Herbstlaub auf dem Boden, sondern Geldscheine." Wir sind angekommen in Kampen. Ca. 500 Einwohner mit Erstwohnsitz und rund 1000 mit Zweitwohnsitz.


Gewiss haben sich mit wachsender Kaufkraft vorwiegend Luxusmarken im Dorfkern eingemietet. Doch es sind nicht nur Edelboutiquen, Gast- und Privathäuser oder Top-Gastronomen, die das Ortsbild prägen. Wo preissensible und neugierige Pauschaltouristen nur oberflächlich drübergleiten und wohl später in Westerland stranden, kehren Leute mit Mittel und Sinn für Kunst und Kultur nahe magisch wandelbarer Landschaft, immer wieder nach Kampen zurück. Während Westerland sich schnell zum kommerziellen Badekurort mauserte, gehörte Kampen zunächst Anfang des 20. Jahrhunderts noch zum Geheimtip unter Künstlern, Malern und Schriftstellern. Zu recht, denn hier, eingebettet zwischen geruhsamem Wattenmeer und rauer See zur Westseite, hinter Dünen und jahreszeitlich verzaubernder Heide in facettenreicher Natur, finden Kunstschaffende und Intellektuelle reichlich Inspiration für ihre Werke. Geschrieben. Gesprochen. Gemalt. Auf dem Kunst- und Kulturpfad in Kampen ehren 32 Stahlstelen Max Frisch, Emil Nolde, Axel Springer und viele weitere Persönlichkeiten, die auf Sylt landeten, und in Kampen speziell, von der Muse geküsst wurden. Manche kamen zeitweise, andere blieben für immer.


Kampens Anzahl jährlicher Anlässe zu Musik und Literatur, sowie die Dichte an Galerien mit vergangener und zeitgenössischer Kunst, ist beeindruckend.




Dass der Ort jedoch zugleich so herrlich entspannt rüberkommt, liegt durchaus auch an einer weiteren Entwicklung in den 60iger Jahren, als die deutsche Jet-Set Prominenz das ausgelassene Strandleben am Kampener Weststrand entdeckte. Anfänglich waren es die jungen Rebellen unter den Promis, die den perfekten Mix elitärer Bade-, Surf- und Ferienkultur vorlebten. Der Spirit von Freiheit, stilvollem Strandurlaub, frei von klebenden Badeshorts und Zweiteiler, doch stilvoll mit Champagner genossen, ist mittlerweile mehr Tradition, als Widerspruch. Das Strandbistro Buhne 16 ist damals wie heute der Hot Spot zur Meerseite hin.


Viele weitere Institutionen mit Geschichte, wie z.B. Kupferkanne, Rauchfang und Gogärtchen begrüssen seit Jahrzehnten eine treue Stammkundschaft. Wiederkommen ist wie Heimkommen. Und auch, wenn die Jahre der wilden Rebellen hier gezählt scheinen, bleibt man der Kultur und Gepflogenheiten treu. Man kennt sich, und das spüren wir, wenn wir immer wieder hierher zurückkehren. Diese weltoffene, familiäre Stimmung untereinander. Viel mehr unkomplizierte Zugänglichkeit und ehrliches Interesse, als dekadente Inszenierung, wie man es aus der Boulevardpresse aufschnappt.




Wir verbringen einen der letzten lauen Spätsommertage in Odins Deli. Klar, gehoben, aber mit herzlicher nordischer Schlagfertigkeit. Lässig in maritimen Farben gekleidet, das blond gesträhnte Haar vom Wind verweht, mit Bella an der Leine und Hermès an der Gürtelschnalle.


Mit den letzten warmen Strahlen der untergehenden Sonne geniessen wir die geniale Gastronomie und einen spontanen Schnack mit Tischnachbarn. Bekannt. Unbekannt. Jung. Alt. Und auch wenn wir uns kein Haus hier leisten können, sehen wir alle den gleichen Sonnenuntergang, atmen die gleiche frische Meeresluft ein, und essen am selben Tisch. Und wie es auch die Künstler schon vor uns taten, wir lassen uns inspirieren. Zum Flirt fürs Leben.




 

Inspiration für Interior-Begeisterte präsentieren wir Euch diesmal aus dem Interiorkontor Hottendorf in Wenningstedt auf Sylt: Kunstvolle Ausstattung und Interior für ein Haus in Kampen und über die Grenzen hinaus. Hier finden wir für alle Romantiker, Poeten, Kreative und musischen Seelen die passende Wohnweise.


Kontrastreiche Einrichtung und raffinierte Details für verspielte Nordlichter.

Ein Reetdachhaus bietet oft ganz eigenwillige Winkel für Einrichtungslösungen. Massarbeit und Kreativität, aber auch Zurückhaltung an der richtigen Stelle bringen den geruhsamen und eleganten Stil zur Geltung.

Farbakzente von Aussen nach Innen holen. Eine farblich neutrale Materialisierung in der Grundausstattung bietet die ideale Basis für lebhafte Highlights. Je nach Saison lässt sich so eine beliebige Blumensorte oder Accessoires immer wieder harmonisch einbringen.

Mit herzlichem Dank an das ganze Team vom Interiorkontor Hottendorf, für die wunderschönen Interior Bilder!

122 Ansichten1 Kommentar
Nichts mehr verpassen und Newsletter abonnieren:

Vielen Dank!