• Alexandra Schüller

Von Kaffeebohnen und Badewannen

Wer von Westerland aus bis zur südlichsten Stelle Sylts radeln möchte, der möge dem unwiderstehlichen Geruch frisch gerösteter Kaffeebohnen folgen. Im nächsten, südlich gelegenen Hafenörtchen Rantum, in Christian Appels Kaffeerösterei, erlebte ich mein großes Kaffee-AHA-Erlebnis. Aussicht auf das vogelreiche Naturschutzgebiet Rantumbecken inklusive. Ich möchte auch nicht weiter das Thema von Kaffeeduft mit dem Geschmack von Meer in Eurer Nase vermischen, doch soviel sei gesagt, ich habe dort meinen bisher besten Kaffee ever getrunken! Möglicherweise liegt das auch am Live-Moment, den Chef persönlich, in all seiner Muße beim Kaffee rösten von “Santos Brasil”, “Indian Robusta” & Co. an seiner beeindruckenden Kaffeeröstmaschine zusehen zu dürfen. Sorry Mr. Clooney!





Das Reisegepäck um zwei Packungen Kaffeebohnen schwerer, führt der Weg weiter...ja endlich...Richtung Weststrand. Wer meint, “Sansibar” gibt es nur in Afrika, gehört zu den wenigen Menschen, denen der Ruf, einer in den 70er Jahren, als anfänglicher Imbissstand für Erbseneintopf begonnener Sylter Institution und Merchandising-Maschine noch nicht bekannt ist. Der Name Sansibar führt zurück auf die Insel Sansibar vor Tansania, die in einem fragwürdigen Akt des Tausches, was heute historisch auch widerlegt ist, 1890 unter Reichskanzler Otto von Bismarck, von Großbritannien mit Helgoland verhandelt wurde.  


Ich bin angekommen, an einem der wohl bekanntesten Hot Spots Sylts, wo Pauschaltouristen, Stammgäste und Porschesammler hinpilgern und lange Wartezeiten auf sich nehmen, um bei wolkenfreiem Sonnenuntergang, zu den Klängen des Liedes “Capri Fischer”, einen Wein aus einer der größten Weinkarten Europas zu genießen. Erbsensuppen- und Kaviarfreunde reihen sich per Du entlang der Holzbänke, barfuss im Sand - herrlich entspannt. 


Ich bestelle einen Virgin Hugo und einen Salat mit Feigen, Parmaschinken und Parmesan. Sauge die für meine Begriffe, eindrücklichen Farben des Momentes auf und wage den Sprung in die anfänglich zu kühle See, die sich gleich hinter der Sansibar, hinter der Düne in die Weiten des Horizonts erstreckt. Während extra angereiste Feinschmecker einem "Romanée-Conti" fröhnen, ensteige ich, gefühlt um Jahre jünger, den Wogen der Wellen. Unbezahlbares Glücksgefühl.


Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt:

https://www.youtube.com/watch?v=09KWMUOyP6E





An der südlichsten Spitze der Insel angekommen, und nicht minder genussvoll, aber viel unaufgeregter, steht das Sylter Muscheln Bistro. Mit Blick auf den Hafen von Hörnum, kann man hier Miesmuscheln, Krebssuppe und weitere fangfrische lokale Spezialitäten genießen.





Hier steht auch der über 100 jährige Hörnumer Leuchtturm stolz auf seiner Düne. Einst diente er als kleinstes Klassenzimmer. Heute dürfen sich hier Heiratswillige tatsächlich im kleinsten Kreise, mit herrlicher Aussicht, in 50 Metern über Meeresspiegel das Ja-Wort geben.


Als ich einst mit meinem Liebsten Hörnum besuchte, liessen wir die  50 Meter aus. Gingen jedoch gleich über zur erinnerungswürdigen Übernachtung im Hotel Budersand, welches über einen kurzen Spaziergang entlang des Hafens zu erreichen ist.





Das Budersand ist für Sylt architektonisch eigentlich ganz untypisch, aber dennoch stilistisch ein Genuss und Inspirations-Ort in Sachen Bauweise und Design. Denn hier geht es puristisch zur Sache. Wohlgesagt, ohne auf den Luxus höchster Kulinarik, Golfplatz, Spa und vielen weiteren Features zur Entschleunigung vom Alltag verzichten zu müssen. Alles wird mit entspannter Zurückhaltung zelebriert. Leise und doch laut an Emotionen.





Unaufdringlich und schnörkellos fügt sich der Bau in die Landschaft ein. Die Fusswege mit Ihren Lichthöfen, die Aussichten, die sich uns bieten, führen gekonnt den Blick in die Weiten der rauen Natur. Und genau das ist die Essenz.

Die Magie die sich einem auftut, wenn man gerade in der Wanne sitzt, und unverbauten Blickes, über das Naturschauspiel des Wattenmeeres staunt, ist einmalig.





Die Reise an das südliche Ende Sylts hat gezeigt, dass gerade auch Zurückhaltung und klare Formensprache die Authentizität für den Ort wahren können. Mit diesem Ansatz zeigen wir, was heute konzeptionell für Ausbau und Dekoration, auf unserem Tisch liegt. Und hinterlassen Euch mit dem Blick auf das Wesentliche, einen Eindruck zur Sache. Denn wie so oft braucht es ja eigentlich nicht viel, um glücklich zu sein.











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